Impuls Juni 2020

Im Jahr 1527 wütete in Breslau die Pest. Die dortigen Pfarrer wandte sich an Martin Luther, der ihnen Rat geben sollte: Solle man als Christ vor der Krankheit fliehen (so war es in dieser Zeit üblich), oder sollte man im Vertrauen auf Gott alle Sorgen beiseiteschieben?

Luther antwortete mit einem Brief:

„Wohlan, der Feind hat uns durch Gottes Verhängnis Gift und tödliche Krankheit geschickt. So will ich Gott bitten, dass er uns gnädig sei und wehre. Danach will ich auch räuchern, die Luft reinigen helfen, Arznei geben und nehmen, Orte und Personen meiden, wo man meiner nicht bedarf, damit ich nicht selbst verwahrlose und dazu durch mich vielleicht viele andere vergiftet und angesteckt werden und ich ihnen durch meine Fahrlässigkeit zur Ursache des Tode werden würde. Will mich mein Gott indes haben, so wird er mich wohl finden. So aber habe ich getan, was er mir zu tun gegeben hat, und bin weder an meinem eigenen Tod noch an dem des Anderen Schuld.

Wo aber mein Nächster mich braucht, will ich weder Ort noch Personen meiden, sondern fei zu ihm gehen, und helfen, so wie oben gesagt ist.

Siehe, das ist ein rechter gottesfürchtiger Glaube, der nicht dummkühn und frech ist und der Gott auch nicht versucht.“

Auch wenn man die Pest im Mittelalter und die Corona-Pandemie heute sicher in vielem nicht vergleichen kann, so finde ich doch die Haltung bedenkenswert, die in diesen Zeilen zum Ausdruck kommt. Man könnte sie „mutig und besonnen“ beschreiben. Diese Haltung würde ich mir auch für uns als Christen und Gemeinde heute wünschen: Mutig auf Gott vertrauen und in diesem Vertrauen das Nötige tun – zum Wohl des Nächsten. Und zugleich eine gewisse Besonnenheit an den Tag zu legen, die Gott nicht versucht und meint über den Dingen zu stehen. Sicher wird man die gegenwärtige Situation und alle getroffenen Maßnahmen in der Zukunft noch mal ganz anders beurteilen. Ich habe den Eindruck, dass z.Zt. alle Lernende sind. Ich beobachte aber auch, dass die gegenwärtige Situation vielen schwer zu schaffen macht. Lasst uns als Christen aufeinander achthaben und uns gegenseitig ermutigen.

In der Hoffnung auf kommende bessere Zeiten grüßt Sie im Namen der Kirchvorsteher und Mitarbeiter

Ihr Pfr. Tom Seidel